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Große Unterschiede bei Bedürfnissen PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 30. September 2008 um 00:00
Im Jahr 2020 werden 42 Prozent der Österreicher über 50 Jahre alt sein. Somit wird es immer wichtiger, auch ältere Erwerbstätige am Arbeitsmarkt teilhaben zu lassen. Die Generation 50+ sieht aber ihre Situation momentan aber "nicht recht rosig", fasste Anselm Eder von der Universität Wien die Ergebnisse einer Studie zum Thema "Ageing Society" zusammen. In puncto Zufriedenheit und Belastung am Arbeitsplatz gebe es "dramatische Unterschiede" zwischen einfachen, qualifizierten und leitenden Angestellten.

Für die Untersuchung im Auftrag des Zukunftsforum Österreich wurden 520 Personen im Alter von 50 bis 65 Jahren befragt. Alle Studienteilnehmer waren sich weitgehend einig, dass die Qualitäten Älterer am Arbeitsmarkt kaum gefragt sind. Die eigene Erfahrung von Wertschätzung und Ausgrenzung differierte jedoch stark: 64 Prozent der leitenden Angestellten fühlten sich anerkannt, aber nur 46 Prozent der qualifizierten Befragten und etwas weniger als ein Drittel der Personen mit einfacher Tätigkeit. Umgekehrt verhält es sich mit der Ausgrenzung. Während 62 Prozent der leitenden Angestellten und 42 Prozent der qualifizierten wenig Ausschließung empfanden, fühlten sich drei Viertel der Befragten mit einfacher Tätigkeit hintangestellt.

Auf die Zufriedenheit in Bereichen wie Privatleben, Gesundheit, Betriebsklima, Bezahlung oder Aufstiegsmöglichkeiten hat die Stellung im Beruf ebenfalls einen großen Einfluss. Zwischen 80 und 65 Prozent der Befragten mit leitender Position und 70 bis 50 Prozent jener mit qualifizierter Tätigkeit konnten hier nicht beklagen. Von den Personen mit einfacher Arbeit zeigte sich nur ein Fünftel mit den Aufstiegsmöglichkeiten und ein Drittel mit der Bezahlung zufrieden.

Unter ständigem Zeitdruck leiden alle

Differenzen zeigten sich auch bei der Arbeitsbelastung. Leitende Angestellte leiden am meisten unter zu viel Verantwortung, qualifizierte haben eher mit Konflikten am Arbeitsplatz und unklaren Anforderungen zu kämpfen. Für Ältere mit einfacher Tätigkeit sind Monotonie, Isolation und körperliche Belastung die größten Probleme. Unter ständigem Zeitdruck leiden dagegen alle.

Bei den gewünschten und bereits angebotenen Maßnahmen zur Förderung Älterer am Arbeitsmarkt war die Diskrepanz bei den einfachen Angestellten weitaus am größten. "Je geringer die Qualifikation, desto weniger kümmert man sich", resümierte der Leiter des Zukunftsforum Österreich, Hannes Bauer. Die Wünsche an Betriebe und Politik divergieren ebenfalls. Die Mehrheit der einfachen Angestellten (80 Prozent) wünscht sich mehr Erholungsmöglichkeiten und weniger körperliche Belastung. Die Gruppe der Qualifizierten hätte gerne mehr Möglichkeiten zur Laufbahngestaltung, Sportangebote und Weiterbildung. Die Wünsche der leitenden Angestellten blieben nur zu einem Drittel unerfüllt.

Um die Produktivität der Volkswirtschaft zu halten, müsse die Politik dringend umfassende Konzepte zur Integration Älterer in den Arbeitsmarkt erarbeiten, so Bauer. Immerhin ordnete eine große Mehrheit der Befragten dem Staat Handlungsbedarf zu. Mehr als die Hälfte sieht die Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Betriebe in der Verantwortung. Ein flexibleres Pensionsantrittsalter, eine Reduktion der Lohnnebenkosten sowie die staatliche Förderung von Betrieben sollten verstärkt diskutiert werden. "Die Qualitäten wie Erfahrung, Loyalität und Disziplin sollen nicht nur theoretisch geschätzt, sondern auch praktisch nachgefragt werden", forderte Bauer.

 
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